INISA Mitglied Dr. Malte Kassner stellt das "Das Media Monitoring Project Zimbabwe (MMPZ)" vor

INISA Mitglied Dr. Malte Kassner stellt das "Das Media Monitoring Project Zimbabwe (MMPZ)" vor
Media Monitoring verschafft nicht nur Unternehmen und Institutionen einen Wissensvorsprung. Das Media Monitoring Project Zimbabwe (MMPZ) folgt der Prämisse, dass informierte Bürgerinnen und Bürger Rechte einfordern und bietet deshalb gezielt aufbereitete Informationen zu verschiedenen Themenbereichen wie u.a. Menschenrechts- und Genderpolitik, Justiz und Korruption oder Lebensmittelsicherheit auf der Plattform zimbabwetoday.org an. Wir haben uns mit dem Entwicklungsberater der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), Dr. Malte Kassner, über die Ziele des Projekts, die Chancen von Sozialen Medien in autoritären Regimen und die “schöne neue Kommunikationswelt” unterhalten.

Sie haben die Plattform zimbabwetoday.org aufgebaut. Welches Ziel verfolgen Sie mit diesem Projekt?

Dr. Malte Kassner: Gegenwärtig arbeite ich als Entwicklungsberater der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit beim Media Monitoring Project Zimbabwe. Es ist eine NGO, die in der Hauptstadt Harare ansässig ist. Bisher flossen in dieser Organisation die Monitoring-Ergebnisse in eine hausinterne Datenbank, die man nutzte, um Material für Berichte und Analysen zu sammeln. Jetzt fliessen unsere Monitoring-Ergebnisse in die Website zimbabwetoday.org. Damit machen wir unsere Arbeit transparent und für jedermann einsichtig.
Ein wesentliches Ziel des Media Monitoring Projects Zimbabwe ist es, den Zugang zu Informationen über Simbabwe für die Bürger des Landes zu erleichtern. Dabei denken wir insbesondere an die ländlichen Regionen und die zahlreichen im Exil lebenden Simbabwer, aber auch an die «international community». Da die Website die jüngsten Artikel aus Zeitung, Radio und TV zu vielen verschiedenen Themenbereichen bietet, wie Kinderrechte, Jugend, Versorgung mit Wasser und Strom, aber auch wirtschaftliche Entwicklung und Arbeit und viele andere, ist es ein Leichtes für den User, sich schnell in einzelne Themenbereiche mit aktuellen Artikeln und Informationen einzuarbeiten. Unsere Grundannahme besagt, dass informierte Bürger ihre Rechte von der Regierung einfordern.

Welche Rolle spielt Media Monitoring für Ihre Ziele?

MMPZ ist die einzige Media Monitoring Organisation in Simbabwe. Unsere Informationen und Analysen sind die Basis unserer Advocacy-Aktivitäten, in denen wir uns für einen breiteren Zugang zu Informationen in der Bevölkerung sowie für freie Meinungsäusserung einsetzen. Verstärkt wollen wir in Zukunft auch als Dienstleister für andere NGOs in der Zivilgesellschaft, internationale Geber und auch Regierungsinstitutionen fungieren, denen wir unsere Monitoring-Kompetenz anbieten, z.B. für die Entwicklung von Programmen und Policies.

Was ist aktuell die größte Herausforderung in Ihrem Beruf?

Ich arbeite als Organisationsberater der GIZ bei MMPZ. Die Website zimbabwetoday.org haben wir aufgebaut, um unsere Monitoring-Ergebnisse sichtbar zu machen und den Menschen in und ausserhalb Simbabwes eine gute Möglichkeit zur Information an die Hand zu geben. Die nächste Herausforderung ist die Professionalisierung des Monitoring-Prozesses. Bisher wird grösstenteils manuelles Monitoring betrieben. Ein Monitor hat verschiedene Zeitungen, die er liest. Jeden Artikel gibt er per Hand in eine Datenbank ein. Diese wird 1x am Tag auf unsere Website hochgeladen. Wir sind jetzt dabei, diese Prozesse zu automatisieren. Das ist eine riesige Herausforderung – und sehr spannend.

Social Media können ein wichtiges Mittel sein, um Informationen unabhängig von großen Medienhäusern zu verbreiten. Wie schätzen Sie das diesbezügliche Potenzial in Simbabwe ein?

Auch in Simbabwe nimmt die Bedeutung von Social Media kontinuierlich zu. Simbabwe unter Mugabe ist ein autoritäres Regime, das auf der ehemaligen Befreiungsbewegung als Ein-Parteien-Regierung basiert. Der staatliche Fernsehsender, einige Radiosender und Zeitungen sind in der Hand von Parteigenossen und geben daher vor allem die Sichtweise der Regierung wider. Ausserdem kann die Regierung jederzeit alternative Medien schliessen oder deren Redakteure verhaften, insbesondere vor Wahlen. Social Media bieten hier ein wichtiges Ventil der Bevölkerung. Mit Hilfe von Facebook gelangten unter dem Synonym Baba Jukwa über einen längeren Zeitraum Interna aus der Regierungspartei Zanu-PF an die Öffentlichkeit. Die Facebookseite hatte schnell zehntausende Follower. Kein Monitoring kann sich mehr leisten, bestimmte Blogger, Facebook oder Twitter zu ignorieren, da sonst diese moderne, alternative politische Strömung zu wenig artikuliert würde.

Ganz generell: Was war für Sie das herausragende Kommunikationsereignis der letzten 12 Monate?

Privat: Meine Frau flog mit den Kindern Anfang Dezember nach Deutschland. Ich folgte zwei Wochen später. Sie wollte unser Auto wieder anmelden beim KFZ-Amt in Bonn. Als ich an meinem Schreibtisch in Harare saß, erhielt ich eine Whatsapp-Mitteilung, dass eine Anmeldung des Autos nicht möglich wäre, da wir keinen Wohnsitz mehr in Deutschland hätten. Ich suchte mit Google Berichte dazu im Internet und fand einen richtungsweisenden Entscheid der Stadt Stuttgart zu diesem Thema, die lediglich einen Zustellungsbevollmächtigten einforderte. Ich sandte meiner Frau diese Entscheidung per eMail und rief sie kurz über Skype an während sie noch im Amt saß, um sie über das weitere Vorgehen zu informieren. Sie wurde zum Amtsleiter gebracht, der die Entscheidung der Stadt Stuttgart zur Kenntnis nahm und ihr folgte. Wir konnten unser Auto anmelden. Schöne neue Kommunikationswelt.

Generell: Noch nie war es so einfach, mit Medien Politik zu machen. Der Islamische Staat nutzt die Kommunikation, um die Strategie der Abschreckung zu fahren. Russland und auch die Ukraine nutzen die Kommunikation, um ihre Sicht der Wahrheit im Konflikt zu propagieren. Ein ausgewogenes Monitoring gewährleistet, dass wir unsere Meinung nicht auf bewusst verzerrte Informationen aufbauen, sondern ein ausgewogenes Bild der Lage erhalten.

Lieber Dr. Kassner, vielen Dank für das Gespräch.

Originalbeitrag nachzulesen auf http://www.bluereport.net/blog/2015/media-monitoring-in-zimbabwe-5-fragen-an-dr-malte-kassner-giz/
Vielen Dank für die Erlaubnis zur Veröffentlichung!

 

 

 

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